____Schwingis Berge

Ortler (3905 m) - Hintergrad

Ortler
Blick auf die Koenigspitze von der Hintergrathütte





































Orterl - Hintergrad
Am Hintregrad
   

Die höchste Erhebung Südtirols!

„Auf dem Ortler sollte jeder bergbegeisterte Südtiroler einmal gestanden haben“, so die weitläufige Meinung unter uns Südtirolern. Dementsprechend genießt er auch schon einen Gewissen Kultstatus, den er sich auch durchaus verdient. Von der schweren Nordwand bis hin zum relativ leichten Anstieg auf dem Normalweg hat er für jeden Anspruch etwas zu bieten; und respekteinflössend ist er allein schon durch seine schöne Gestalt.

So ist es nicht verwunderlich, dass jährlich viele Leute auf diesen Gipfel „pilgern“. Hierbei bietet sich die Überschreitung des Gipfels über den Hintergrat mit Abstieg auf dem Normalweg gerade zu als Idealtour an. Aber auch hier ist hochalpine Erfahrung unerlässlich und schon oft wurde dieser Berg ambitionierten Bergsteigern zum Verhängnis.

Es war ein wunderschöner Abend im August, als mein Bruder (Christoph) und ich loszogen, um dem König Ortler unsere Aufwartung zu machen. Wir waren mit dem Auto über das Vinschgau bis nach Sulden gefahren und nun brachte uns der Lift hinauf zur K2 Hütte; hier schlugen wir den Weg Nr.3 zur Hintergrathütte ein und erreichten diese nach etwa einer Stunde gemütlichen Wanderns. Die Hütte (2661m) war bis auf den letzten Platz ausgebucht, so ahnten wir bereits, was uns am nächsten Morgen erwarten würde …; aber dennoch, unsere abendliche Pasta auf der Terrasse im Anblick der stolzen Königspitze wird mir ewig in Erinnerung bleiben!

Um vier Uhr morgens, nach einer schlaflosen Nacht, war der allgemeine Aufbruch. Wir stiegen zum See hinab und folgten den Lichtern unzähliger Taschenlampen über den nicht immer gut ersichtlichen Steig durch die Moränen zum Ein- bzw. Aufstieg.
Tipp: Solltet ihr das erste Mal diese Tour machen, so zahlt es sich aus, am Abend noch über die Moränen zu steigen und den Anstieg auszukundschaften, denn in der Dunkelheit des Morgens ist er gar nicht so leicht zu finden (wenn man alleine unterwegs ist) !
Zunächst mussten wir in Serpentinen über eine ziemlich lange Geröllhalde aufsteigen und irgendwann ging es dann in hart gepressten Schnee über. Das Gelände wurde stetig steiler und zu allem Überfluss schossen ständig Steine an uns vorbei, in der Dunkelheit kein großes Vergnügen; eine Seilschaft ober uns hatte sich wohl verstiegen und nahm anscheinend keine Rücksicht auf Verluste … Langsam ging die Sonne über der Königspitze auf und ein wunderschöner Tag kündigte sich an. Über das steile Schneefeld kamen wir gut voran, stiegen durch eine schmale Felsenrinne in das obere Schneefeld empor und an dessen Ende erneut durch eine kleine Rinne weiter hinauf auf den Grat. Ständig pfiffen die Steine an uns vorbei und wir waren heil froh, dass wir unsere Helme aufhatten! Wir folgten nun dem Steig links der Schneide - in der Südseite- bis wir auf das den Grat überdeckende Schneefeld kamen. Ohne Probleme gings drüber und weiter auf dem Felsgrat bis man dann bei Punkt 3614m nach links ausweicht. Gut gesichert quert man auf einem schönen Band zurück auf den Grat und weiter geht es in abwechslungsreiche Kletterei (II –III) der Gratschneide entlang. Teilweise sind Sicherungshaken und –stifte vorhanden, der/die ein oder andere Keil/ Bandschlinge als Zwischensicherung kann aber nicht schaden. Je nach Belieben. Die „Schlüsselstelle“ ist mit einem Drahtseil mit Handschlaufe versehen, an dem man sich hochziehen kann (nicht sehr ästhetisch, aber zweckmäßig). Noch einmal gilt es eine zu beiden Seiten steil abfallende Wechte zu überschreiten um in letzter Kletterei den Gipfel zu stürmen.
Stolz standen wir am Gipfel und genossen die wunderschöne Aussicht. Ein lang gehegter Traum war in Erfüllung gegangen !

Der Abstieg folgte nun dem gut gespurten Normalweg über den Oberen Ortlerferner hinab zum Biv. Lombardi. Links davon hinunter über die Gletscherstufe und in einem Bogen nach rechts zurück zum Grat. Hier ist vor den Seracs Vorsicht geboten und ein schnelles Vorankommen sehr zu empfehlen !
Tipp: Dieser Gletscher ist im ständigen Wandel und kann je nach den Verhältnissen leicht oder zum großen Hindernis werden. Man sollte sich auf jeden Fall über dessen Zustand noch vor der Tour erkundigen !!
Hier kommt dann wohl auch die Schlüsselstelle, denn es gilt über ein sehr abgespecktes Stück in ausgesetzter Position abzuklettern. Es sind Abseilstangen und ein Zwischenhaken vorhanden, trotzdem ist Vorsicht geboten und außerdem staut es sich an dieser Stelle sehr gerne, denn die etwas weniger routinierten Bergsteiger mit mangelnder Ausrüstung sind hier leicht überfordert ! Wir mussten also beinahe zwei Stunden warten, bis wir endlich an der Reihe waren (das zehrt schon an den Nerven) ! Weiter gings dann schön über den Grat hinunter, über eine mit Eisenketten gesicherte Felsstufe Richtung Payerhütte (3029m). Es war bereits Abend geworden, da aber die Schwierigkeiten hinter uns lagen machten wir uns noch auf den Abstieg über den Weg Nr. 4 zur Tabarettascharte und hinunter zur Tabarettahütte (2556m). Immer der Nr. 4 folgend gelangten wir zu später Stunde wieder beim Auto an. Der Abstieg geht ganz schön in die Knie, besticht aber durch seinen schönen Blick auf den Ortler und dessen Nordwand; schlicht beeindruckend!

Das war eine traumhafte aber lange Tour, dennoch: „Ortler, wir kommen wieder !!“


Karte: Ortler - Hintergrad

   
Hochtour

Gehzeit: 2T

Lage: Ortler

Schwierigkeit: schwer

Karte: Tobacco 08


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