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Die höchste Erhebung Südtirols!
„Auf dem Ortler sollte jeder bergbegeisterte Südtiroler einmal gestanden
haben“, so die weitläufige Meinung unter uns Südtirolern.
Dementsprechend genießt er auch schon einen Gewissen Kultstatus,
den er sich auch durchaus verdient. Von der schweren Nordwand bis
hin zum relativ leichten Anstieg auf dem Normalweg hat er für
jeden Anspruch etwas zu bieten; und respekteinflössend ist
er allein schon durch seine schöne Gestalt.
So ist es nicht verwunderlich, dass jährlich viele Leute auf diesen
Gipfel „pilgern“. Hierbei bietet sich die Überschreitung
des Gipfels über den Hintergrat mit Abstieg auf dem Normalweg
gerade zu als Idealtour an. Aber auch hier ist hochalpine Erfahrung
unerlässlich und schon oft wurde dieser Berg ambitionierten
Bergsteigern zum Verhängnis.
Es war ein wunderschöner Abend im August, als mein Bruder (Christoph)
und ich loszogen, um dem König Ortler unsere Aufwartung zu
machen. Wir waren mit dem Auto über das Vinschgau bis nach
Sulden gefahren und nun brachte uns der Lift hinauf zur K2 Hütte;
hier schlugen wir den Weg Nr.3 zur Hintergrathütte ein und
erreichten diese nach etwa einer Stunde gemütlichen Wanderns.
Die Hütte (2661m) war bis auf den letzten Platz ausgebucht,
so ahnten wir bereits, was uns am nächsten Morgen erwarten
würde …; aber dennoch, unsere abendliche Pasta auf der
Terrasse im Anblick der stolzen Königspitze wird mir ewig in
Erinnerung bleiben!
Um vier Uhr morgens, nach einer schlaflosen Nacht, war der allgemeine
Aufbruch. Wir stiegen zum See hinab und folgten den Lichtern unzähliger
Taschenlampen über den nicht immer gut ersichtlichen Steig
durch die Moränen zum Ein- bzw. Aufstieg.
Tipp: Solltet ihr das erste Mal diese Tour machen, so zahlt es sich
aus, am Abend noch über die Moränen zu steigen und den
Anstieg auszukundschaften, denn in der Dunkelheit des Morgens ist
er gar nicht so leicht zu finden (wenn man alleine unterwegs ist)
!
Zunächst mussten wir in Serpentinen über eine ziemlich
lange Geröllhalde aufsteigen und irgendwann ging es dann in
hart gepressten Schnee über. Das Gelände wurde stetig
steiler und zu allem Überfluss schossen ständig Steine
an uns vorbei, in der Dunkelheit kein großes Vergnügen;
eine Seilschaft ober uns hatte sich wohl verstiegen und nahm anscheinend
keine Rücksicht auf Verluste … Langsam ging die Sonne
über der Königspitze auf und ein wunderschöner Tag
kündigte sich an. Über das steile Schneefeld kamen wir
gut voran, stiegen durch eine schmale Felsenrinne in das obere Schneefeld
empor und an dessen Ende erneut durch eine kleine Rinne weiter hinauf
auf den Grat. Ständig pfiffen die Steine an uns vorbei und
wir waren heil froh, dass wir unsere Helme aufhatten! Wir folgten
nun dem Steig links der Schneide - in der Südseite- bis wir
auf das den Grat überdeckende Schneefeld kamen. Ohne Probleme
gings drüber und weiter auf dem Felsgrat bis man dann bei Punkt
3614m nach links ausweicht. Gut gesichert quert man auf einem schönen
Band zurück auf den Grat und weiter geht es in abwechslungsreiche
Kletterei (II –III) der Gratschneide entlang. Teilweise sind
Sicherungshaken und –stifte vorhanden, der/die ein oder andere
Keil/ Bandschlinge als Zwischensicherung kann aber nicht schaden.
Je nach Belieben. Die „Schlüsselstelle“ ist mit
einem Drahtseil mit Handschlaufe versehen, an dem man sich hochziehen
kann (nicht sehr ästhetisch, aber zweckmäßig). Noch
einmal gilt es eine zu beiden Seiten steil abfallende Wechte zu
überschreiten um in letzter Kletterei den Gipfel zu stürmen.
Stolz standen wir am Gipfel und genossen die wunderschöne Aussicht.
Ein lang gehegter Traum war in Erfüllung gegangen !
Der Abstieg folgte nun dem gut gespurten Normalweg über den Oberen
Ortlerferner hinab zum Biv. Lombardi. Links davon hinunter über
die Gletscherstufe und in einem Bogen nach rechts zurück zum
Grat. Hier ist vor den Seracs Vorsicht geboten und ein schnelles
Vorankommen sehr zu empfehlen !
Tipp: Dieser Gletscher ist im ständigen Wandel und kann je
nach den Verhältnissen leicht oder zum großen Hindernis
werden. Man sollte sich auf jeden Fall über dessen Zustand
noch vor der Tour erkundigen !!
Hier kommt dann wohl auch die Schlüsselstelle, denn es gilt
über ein sehr abgespecktes Stück in ausgesetzter Position
abzuklettern. Es sind Abseilstangen und ein Zwischenhaken vorhanden,
trotzdem ist Vorsicht geboten und außerdem staut es sich an
dieser Stelle sehr gerne, denn die etwas weniger routinierten Bergsteiger
mit mangelnder Ausrüstung sind hier leicht überfordert
! Wir mussten also beinahe zwei Stunden warten, bis wir endlich
an der Reihe waren (das zehrt schon an den Nerven) ! Weiter gings
dann schön über den Grat hinunter, über eine mit
Eisenketten gesicherte Felsstufe Richtung Payerhütte (3029m).
Es war bereits Abend geworden, da aber die Schwierigkeiten hinter
uns lagen machten wir uns noch auf den Abstieg über den Weg
Nr. 4 zur Tabarettascharte und hinunter zur Tabarettahütte
(2556m). Immer der Nr. 4 folgend gelangten wir zu später Stunde
wieder beim Auto an. Der Abstieg geht ganz schön in die Knie,
besticht aber durch seinen schönen Blick auf den Ortler und
dessen Nordwand; schlicht beeindruckend!
Das war eine traumhafte aber lange Tour, dennoch: „Ortler,
wir kommen wieder !!“
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