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Im Juli 2001 fuhren mein Bruder und ich mit
unserem Camper nach Norwegen. Wir durchkreuzten allerdings nicht das
Land, denn das hatten wir schon 1992
getan, sondern wir kamen zum Trekking. In drei Wochen umrundeten wir
den Jotunheimen National Park und durchquerten die Hardanger Vidda.
Anreise:
Wir hatten uns lange überlegt, wie wir am besten anreisen
sollten und entschieden uns schließlich für den Camper,
denn damit konnten wir am leichtesten alle fürs Trekking nötigen
Utensilien transportieren. Außerdem bot er die beste Möglichkeit
zu unseren Ausgangspunkten zu gelangen da die teilweise recht abgelegenen
Nationalparks mit Bus und Bahn ziemlich schwer erreichbar sind.
Auf die Tour selber haben wir uns mit dem Führer "Trecking
in Norwegen" aus dem Bruckmann Verlag vorbereitet. Dieser bietet
eine unterhaltsame Lektüre für zu Hause um sich auf alle
die Höhepunkte und die zu erwartenden Problemen einzustimmen
und gibt nützliche Hinweise zur Routenplanung.
Jotunheimen National Park 1/1
Teilweise alpines Gebirgsmassiv, dass mit dem Galthøpiggen
und dem Glittertind die beiden höchsten Gipfel Norwegens enthält.
Gehzeit: 8 Tage
Anfahrt:
Der Ausgangspunkt dieser Tour liegt in Eidsbuggarden im Süden
des Parks. Von Oslo (Anreise nach Oslo) kommend fährt man über
Fluberg, Leira und Øye in den Norden. Die Strassen sind in
gutem Zustand, aber da es sich durchwegs um kleine Bundesstrassen
handelt, muss man für die ca. 200 km mit wenigstens einem halben
Tag Anfahrt rechnen. Von Südtirol kommend haben wir es in zwei
Tagen geschafft bis nach Eidsbuggarden zu fahren, allerdings war
das ganze eine Gewalttour die ich niemanden empfehlen würde.
1.Tag: Eidsbuggarden-Langedalen
(Bygdin-Oksedalen-Galdebergtjerna-Langedalstjerna-Langedalen)
Unser Ursprüngliche Plan sah vor, mit dem Boot von Eidsbuggarden
über den Bygdin Stausee nach Torfinnsbu zu fahren. Da aber
der Wasserstand zu niedrig war, mussten wir auf das Boot verzichten,
und die Strecke zu Fuß gehen. Die Etappe führte anfangs
flach am rechten Seeufer des Bygdin entlang und bot eine gute Möglichkeit
sich an den schweren Rucksack zu gewöhnen.
Wir hatten auch gleich die erste Gelegenheit unsere neue Regenausrüstung
zu testen, die aus GoreTex Jacke und Überziehhose bestand.
Alles andere ist meiner Meinung nach für diese Breiten ungeeignet,
denn der häufige Wind macht das benutzen eines Poncho unmöglich,
und wer am Material spart ist schon nach kurzer Zeit durchtränkt.
Als eine Felswand den Weg versperrte mussten wir ins Gebirge ausweichen.
Der Weg, der beinahe immer ausgezeichnet mit einem roten T markiert
führte steil bergan und ab einer Höhe von 1600 Metern
hatten wir Anfang Juli noch eine Menge Altschneefelder zu durchqueren.
Das Aufregendste des ersten Tages war allerdings die Furtung eines
Baches, der aus einem noch zugefrorenem See gespeist wurde. Zu diesem
Zweck hatte ich mir extra meine Neopren Innenschuhe der Flossen
mitgenommen, da man nie Paarfuß furten sollte, und Turnschuhe
bei dieser Witterung nie mehr trocknen. Trotz der Wanderstöcke
war es nicht einfach durch die ziemlich starke Strömung zu
waten und bis wir das anderen Ufer erreichten, waren die Füße
halb erfroren. Als es dann Zeit wurde das Zelt aufzubauen konnten
wir nirgend wo einen ebenen und trockenen Platz finden und mussten
noch fast bis ans Ufer des Bygdin marschieren bis wir unser Zelt
aufbauen konnten.
2.Tag: Langedalen-Leirungsdalen
(Langedalen-Torfinnsbu-Torfinsdalen-Leirungsdalen)
Diese Etappe war eine der schönsten, denn sie führte
durch das einsames von Gletschern gerahmte Leirungsdalen, in dem
wir außer Rehntieren den ganzen Tag niemandem begegneten.
Von Torfinnsbu, das wegen des niedrigen Wasserstandes ziemlich verlassen
war, folgten wir zuerst dem Weg nach Gjendebu durch das Torfinnsdalen.
Dort trafen wir auf ein unerwartetes Hindernis.
Von der Brücke, die auf unserer Karte eingezeichnet war, fanden
wir nur mehr ein paar Teile, der Rest war bei den letzten Regenfällen
weggeschwemmt worden. Da dieser Bach wesentlich mehr Wasser führte
als der gestrige, suchten wir fast eine Stunde lang nach einer geeignete
Stelle zum Furten. Die Abzweigung, die uns ins Leirungsdalen bringen
sollte, verpassten wir fast, denn dies Kreuzung war eine der wenigen,
an denen es keine sichtbare Markierung gab. Erst nach längerem
suchen fanden wir den Einstieg auf den Steig dem wir steil bergan
folgten und der uns bis an die Gletscher heranführte. Vom Fehler
des vorherigen Tages lernend machten wir uns diesmal früh genug
auf die Suche nach einem geeigneten Lagerplatz, und fanden bald
ein wunderschönes trockenes Plätzchen mit Ausblick auf
die Gletscher.
3.Tag: Leirungsdalen-Gjendesheim
(Leirungsdalen-nedre Leirungen-Gjendesheim)
Nachdem wir am Vormittag das Leirungsdalen mit seinen Gletschern
wieder verlassen hatten, wanderten wir durch eine Hochmoor. Am Anfang
war der Weg noch ziemlich trocken, aber je tiefer wir ins Tal kamen
umso feuchter wurde das Moor und am Schluss stapften wir mit nassen
Schuhen durch den Sumpf.
Dies war allerdings das einzige Mal während unserer Tour,
dass wir durch einen Sumpf mussten, ansonsten war der Untergrund
immer fest und unsere GoreTex Schuhe genau die richtige Ausrüstung
zum Gehen im alpinen Gelände. Gegen Abend kamen wir dann an
den Gjende See, wo wir nach zwei Tagen zum ersten Mal wieder Leuten
begegneten. Bevor wir allerdings in der nähe der Hütte
Gjendesheim unser Zelt aufstellen konnten galt es ein weiteres Gewässer
zu überwinden. Dummerweise war es diesmal der Auslas des Gjende
Sees, für den man ein Boot benötigt. Von einem Einheimischen
hatten wir erfahren, dass es am Seeufer eine Signal gab, mit dem
man ein Fährboot rufen konnte. Nachdem wir dieses Signal betätigt
hatten und etliche Minuten nichts geschah ergab eine eingehendere
Untersuchung, dass sein Kabel genau zwei Meter in den See führte
und dann durchtrennt war. Also blieb uns nichts anderes übrig
als so lange zu warten bis ein Fischer vorbei kam, der uns zur riesigen
Gjendesheim Hütte übersetzte.
4.Tag: Gjendesheim-Russvatnet
(Gjendesheim-Besseggen-Russvatnet)
Dieser Tag brachte einen der Höhepunkte unserer Tour. Die
Überschreitung des Besseggen-Grades. Schon in der Früh
wurden wir von den Fährbooten geweckt, die hunderte Tagesausflügler
über den See zur anderen Seite des Grades brachten, da diese
ihn in umgekehrter Reihenfolge begehen. Der Anstieg von Gjendesheim
aus war nicht schwierig, allerdings spürte man auf den 700
Höhenmetern das Gewicht der Campingausrüstung.
Als wir dann aber den höchsten Punkt überschritten hatten,
waren alle Mühen vergessen, denn die Ausblicke, die sich uns
beim Abstieg über den nun wesentlich exponierteren Grad boten
waren einmalig. Zu unserer Linken, 700 Meter tiefer der Gjende See,
und zur Rechten, 400 Meter tiefer der Bessvatnet umrahmt von einer
herrlichen Bergwelt. Dass wir genug Zeit hatten die Ausblicke zu
genießen, dafür sorgten schon die Tagesausflügler,
die uns mittlerweile in Scharen entgegenkamen, und jede etwas schwierigere
Passage blockierten. Dabei fiel uns auf, dass die ansonsten extrem
flotten norwegischen Wanderer beim Kraxeln ziemlich langsam unterwegs
waren. Nachdem wir den Grad am Nachmittag hinter uns hatten wandten
wir uns nach Norden und schlugen unser Zelt am Ufer des Russvatnet
Sees auf.
zum zweiten Teil dieser Tour -->
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